| Sunthausen Der
Bürgermeisterkandidat Markus Kissendorfer hat sich
am Donnerstag im Gasthaus „Lehre-Post“ in
Begleitung seiner Frau Yvonne den Sunthauser Bürgerinnen
und Bürgern offiziell als Bewerber um das Amt des
Bad Dürrheimer Rathauschefs vorgestellt. Dabei
umriß er zunächst seine persönlichen
Einschätzungen zu vier Kernbereichen, von denen
die wirtschaftliche Entwicklung der Kurstadt an erster
Stelle stand.
Er machte deutlich, dass hier aufgrund der allgemeinen
Lage in nächster Zeit wohl kaum mit einem Wachstum
des Gewerbesteueraufkommens zu rechnen sei. Darüber
hinaus werde auch die Gesundheitsreform deutliche Auswirkungen
auf den gesamten Kurbetrieb haben, so dass man sich
weiterhin auf eine sinkende Nachfrage nach Reha-Plätzen
und Anschluß-Heilbehandlungen einstellen müsse.
Als weitere große Herausforderungen für die
Zukunft nannte Kissendorfer die Alterspyramide der Bad
Dürrheimer Bevölkerung und die finanzielle
Lage der Stadt. In 2002 hätten dem Vermögenshaushalt
zwar noch zirka 360.000 Euro zugeführt werden können,
doch schon jetzt seien trotz erhöhter Grundsteuer
und Einsparungen im Personalbereich erste Anzeichen
einer deutlich rückläufigen Tendenz zu erkennen.
Was die Entwicklung des Kernortes und der Teilorte betrifft,
so sei die Meßlatte von Bürgermeister Gerhard
Hagmann und dessen Amtsvorgänger Otto Weißenberger
durch eine solide, sachorientierte und erfolgreiche
Kommunalpolitik sehr hoch gelegt worden, an die es nun
für den neuen Verwaltungschef anzuknüpfen
gilt, betonte Kissendorfer.
Nach seinem Dafürhalten müßten die Bereiche
Kur und Gesundheit künftig besser ins Spiel gebracht
werden, ohne jedoch die Faktoren Gewerbe, Handel, Dienstleistung
und Landwirtschaft zu vernachlässigen. „Bad
Dürrheim muß wieder eine gute Adresse für
Unternehmer und Investoren werden“, so seine Devise.
Ebenso wichtig sei es, die Begriffe „Mensch und
Natur“ noch mehr in den Vordergrund zu stellen,
um den Bürgern eine lebens- und liebenswerte Infrastruktur
bieten zu können, ohne jedoch die eigenen Identitäten
der Teilorte infrage zu stellen. In diesem Zusammenhang
sprach sich der Kandidat auch für die Beibehaltung
der unechten Teilortswahl unter gesamtheitlicher Nutzung
aller Synergien aus. „Ich werde im Falle meiner
Wahl die Wirtschaftsförderung und Grundstückspolitik
zur Chefsache machen und mich für eine enge Verzahnung
zwischen Touristik, Wirtschaft, Ausbildung, Marketing
und Stadtentwicklung einsetzen“, unterstrich Kissendorfer.
Gleichzeitig machte er aber auch deutlich, dass der
Begriff „Gesundheit“ nach wie vor das Markenzeichen
für Bad Dürrheim sein werde, um eine Bestandssicherung
und langfristige Stärkung des Klinikbereichs durch
strategischen Ausbau der Gästestrukturen zu erreichen.
Als weitere Aufgaben nannte er die aktive Förderung
des bereits sehr regen Vereinslebens und des generationsübergreifenden
Miteinanders einschließlich einer pro-aktiven
Jugendplanung und Kinderbetreuung. Dazu gehörten
ebenso familiengerechte Bauplätze, die Schaffung
weiterer Arbeitsplätze am Ort, das Aufbrechen verkrusteter
Strukturen und die Entwicklung neuer Perspektiven. „Dafür
werde ich jedoch im Falle meiner Wahl nicht allein die
Verantwortung übernehmen, sondern stets die enge
Zusammenarbeit mit den Gemeinde- und Ortschaftsräten
suchen“, betonte Kissendorfer und leitete mit
dieser Aussage zu einer angeregten Diskussion über.
Auf die von Hubert Baier gestellte Frage nach der Zukunft
des Minara-Bades erklärte der Kandidat, dass er
sich in jedem Fall für den Erhalt dieses Familienbades
einsetzen werde. Zum Thema Kurcamping meinte er, dass
der Platz in Sunthausen zweifellos eine Konkurrenz zu
Bad Dürrheim darstelle und man deshalb klar sagen
müsse, welche Camper man wo gern haben möchte.
Was Einkaufsmöglichkeiten, den öffentlichen
Personennahverkehr und die geschlossene Bankfiliale
betrifft, so bedauerte Kissendorfer diese verlorengegangenen
Infrastrukturen. Er bezweifelte zwar, dass sich dieses
Rad noch einmal zurückdrehen lasse, wollte aber
Verbesserungsmöglichkeiten wie beispielsweise die
Aufstellung eines Geldautomaten nicht ganz ausschließen.
Die Frage von Rudi Reichmann, ob Kissendorfer als CDU-Mitglied
seine Entscheidungen über Parteigrenzen hinweg
treffen werde, beantwortete dieser mit einem eindeutigen
„Ja“ und verwies darauf, dass er ebenso
wie Gerhard Hagmann (FDP) stets die Neutralität
wahren würde. Weitere Themen waren dann noch die
Windkraft, die unechte Teilortswahl und die Situation
bei der Kur- und Bäder GmbH. Abschließend
bekräftigte der Bürgermeisterkandidat noch
einmal seine Entschlossenheit, Verantwortung für
die Stadt Bad Dürrheim zu übernehmen und verwies
dabei auf seine in den USA erworbene Führungserfahrung.
(jok)
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