Kissendorfer besucht Biesingen
Rundfahrt mit dem Ortsvorsteher


Biesingen
Bei einer Rundfahrt mit Ortsvorsteher Wolfgang Kaiser durch Biesingen hatte Bürgermeisterkandidat Markus Kissendorfer kürzlich Gelegenheit, sich über die derzeitige Situation dieses kleinsten, etwa 500 Einwohnern zählenden Bad Dürrheimer Stadtteils zu informieren. Infolge fehlenden Zuzuges habe sich die Gemeindestruktur im Laufe der Jahre nur wenig verändert, was wiederum von Vorteil sei, da so der dörfliche Charakter des Ortes erhalten geblieben ist, betonte Kaiser gegenüber seinem Gast. Als Nachteil nannte er die Tatsache, dass es nur ein kleines Neubaugebiet gebe, auf dem lediglich noch zwei Plätze frei seien und deswegen über kurz oder lang der Fall eintreten werde, dass sich nicht einmal mehr Einheimische ihre eigenen vier Wände schaffen können. Die Ausweisung von neuem Bauland im Randgebiet sei derzeit nicht möglich und innerörtlich fehle es ohnehin an Freiflächen oder leerstehenden Gebäuden. Für gewerbliche Zwecke seien im Flächennutzungsplan zwar Grundstücke in der Größenordnung von etwa 2,5 Hektar ausgewiesen, nur gebe es beim Ankauf gewisse Diskrepanzen zwischen den Preisvorstellungen der Privateigentümer und dem, was die Stadt zu zahlen bereit ist.
Damit sich Kissendorfer einen persönlichen Eindruck vom Ortsbild verschaffen konnte, lud ihn Kaiser zu einer Rundfahrt durchs Dorf ein. Dabei wurde auch die Situation der Freiwilligen Feuerwehr angesprochen. Nach Meinung des Ortsvorstehers sei die Zahl der Brandschützer ausreichend, doch da die meisten von ihnen außerhalb arbeiteten, stünden sie bei Alarm nicht sofort zur Verfügung. Dies sei besonders in Notfällen ein echtes Manko. Als weitere Problematik nannte Kaiser das Fehlen von Einkaufsmöglichkeiten am Ort. Man könne zwar bei Müllermeister Strohm bestimmte Mühlenprodukte kaufen, aber ansonsten gebe es kein Ladengeschäft mehr. Einmal in der Woche biete ein „fliegender Händler“ sein Lebensmittelsortiment an, aber wer mehr wolle, der müsse halt in die umliegenden Gemeinden ausweichen. Einzige Gaststätte am Ort ist noch der „Löwen“. Der ehemalige „Deutsche Kaiser“ ist jetzt eine Dependance des Kinderhauses in Behla, wo Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen oder geistig Behinderte untergebracht sind.
Für die Kinder am Ort gibt es einen Bolzplatz mit Streetballanlage und einer kleinen Schutzhütte. Auch die Kunst und Kultur kommt in Biesingen nicht zu kurz. So hält das „Forum Ostbaar“ ein vielfältiges Veranstaltungsangebot bereit, das von Kammermusikabenden über Besichtigungen, Fitnessprogrammen und Exkursionen bis hin zu Theater- und Bastelnachmittagen für die Jüngsten reicht. Zehn Meter rechts und links der Kötach hat die Gemeinde von der Stadt einen Geländestreifen aufgekauft und möchte diesen Bereich unter anderem mit Schwarzerlen bepflanzen, um das Bachbett ökologisch aufzuwerten. Die Antwort auf die Frage von Kissendorfer, ob Biesingen auch einen Golfplatz bekommen wird, ließ der Ortsvorsteher offen. „Ich hätte zwar nichts gegen eine Neun-Loch-Anlage einzuwenden, aber mittlerweile sind hier nur noch wenige Flächen zu verpachten und es ist schon jetzt abzusehen, dass dort die Landwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten intensiv weitergeführt werden wird“, entgegnet Kaiser. Zum Schluß wurden dann noch die Räume der ehemaligen Schule, die Backstube der Landfrauen und der eingruppige Kindergarten gemeinsam in Augenschein genommen. (jok)

 
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